Nietzsche und Wagner - Begegnung in Leipzig

Unter diesem Motto fand vom 12. – 14.März 2010 in Leipzig ein Veranstaltungsmarathon mit Gästen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich statt. Aufgrund einer bereits länger bestehenden Kooperation in Sachen des von den Herren Matthias Otto und Dirk Brüggemann entdeckten Baudenkmals in der Karl-Heine-Straße 24 b in Leipzig und der Einladung von Herrn Matthias Otto Folge leistend, hatte das Nietzsche-Forum München e.V. den 13. Otterfinger Experten-Gesprächkreis nach Leipzig verlegt und eine wissenschaftliche Tagung: „Nietzsche und Wagner – Begegnung in Leipzig“ konzipiert und organisiert, die dann in Gemeinschaft mit KOP Klinge Otto Planung GmbH, dem Richard-Wagner-Verband Leipzig e.V., dem Club International e.V. und dem Institut für naturgemäße Ornamentik, Schloss Trebsen, verwirklicht werden konnte. Absicht war eine Aktivierung der Leipziger Öffentlichkeit für das Projekt einer kulturellen Nutzung dieses außergewöhnlichen Baudenkmals. So diskutierten – zunächst im glanzvollen Ambiente des Club International e.V. – hochrangige Geisteswissenschaftler, Künstler und Vertreter verschiedener thematisch angebundener Institutionen wie der Nietzsche-Stiftung Naumburg und des Nietzsche-Hauses Sils Maria (Schweiz) die Impulse, Gedanken und Folgen des denkwürdigen ersten Zusammentreffens beider Geistes- und Kunsttitanen vom 08. November 1868 in Leipzig, dessen Universität Nietzsche und Wagner im Abstand von 31 Jahren verließen.

Parallelen und Unterschiede in Auffassungen sowie auseinander laufende Entwicklungen wurden ebenso beleuchtet, wie der Einfluss beider auf ihre Herkunftsregion Mitteldeutschland im engsten Umkreis Leipzigs. Dies wurde insbesondere bei einer durch die Herren Otto und Brüggemann konzipierten und gesponserten Architekturfahrt durch Leipzig deutlich, bei der die Teilnehmer voller Erstaunen feststellten, dass dieser einzigartige kulturelle Schatz: das Erbe der Architekten-Künstler Deutschlands um die Wende des 20. Jahrhunderts, mangels touristischer Vermarktung außerhalb der Stadtgrenzen kaum bekannt ist.

Höhepunkt war der musikalisch-philosophische Abend in der Wagner-Nietzsche-Villa Karl-Heine-Straße 24b, wozu das Nietzsche-Forum München den Schriftsteller und Filmer Alfred Gulden (Zitationen aus Nietzsches „Zarathustra“) sowie die Musiker des Chemnitzer Ensemble 01 (zeitgenössische Kompositionen zu Richard Wagner) verpflichtet hatten.  Die weit über 100 Gäste, darunter Kulturbürgermeister Michael Faber, Bundestags- und Landtagsabgeordnete, Stadträte, Vertreter verschiedener Hochschulen, der Denkmalpflege sowie vieler Leipziger Institutionen waren sich einig, dass dieses Haus, gebaut im Zarathustra-Stil und mit Wagners Ring-Motiven durchsetzt, seinem Geist entsprechend saniert und genutzt werden muss. Die Initiatoren sehen dieses Projekt als Willen eines gezielten bürgerschaftlichen Engagements nicht nur für ein lokales und regionales Selbstbewusstsein, sondern zur Schaffung eines geistigen Zentrums, das an Leipzigs große Traditionen anknüpft.

Der Tagungsband wird 2011 als Band 3 der „Leipziger Beiträge zur Wagner-Forschung“ erscheinen.