Richard-Wagner-Festtage Leipzig 2018

Eröffnung im Ring-Café

Zu einem wahrhaft beeindruckenden kammermusikalischen Erlebnis lud der Richard-Wagner-Verband Leipzig am 9. Mai ins Ring-Café am Roßplatz in Leipzig. Nicht nur, dass selten zu hörende Solo-Klaviermusik Richard Wagners für Erstaunen sorgte; mit hörbarer Begeisterung von Anna Khomichko (Hochschule für Musik Weimar) am Blüthner-Flügel stilsicher interpretiert. In seiner Ansprache begründete der Verbandsvorsitzende Thomas Krakow außerdem die Wahl des Ortes: Hier ganz in der Nähe stand das Hotel de Russe, in dem Wagner 1871 logierte und erstmals seine Festspielpläne mit Wahl auf Bayreuth bekannt gab.

Richard Wagner bezeichnete sich selbst als wenig begabten Pianisten, brauchte aber zeitlebens ein Klavier zum Komponieren, Kennenlernen der Werke anderer oder Vorstellen seiner Ideen. Dass er außerdem ein kleines Oevre an Solowerken hinterließ – wie z.B. Albumblätter für die Fürstin Metternich oder Mathilde Wesendonck - findet im Konzertbetrieb nur ganz am Rande Beachtung. So war es für viele Anwesende ein überraschendes Erlebnis, dass sich damit ein eindrucksvoller Kammermusik-Abend gestalten ließ, der stellenweise an die weiten Melodiebögen Wagnerscher Bühnenmusik oder z.B. an das Siegfried-Idyll erinnerte.

Im Mittelpunkt standen neben der Pianistin natürlich die vier jungen Stipendiaten, die sich nunmehr auf einen Besuch der Bayreuther Festspiele mit reichhaltigem Beiprogramm freuen dürfen. Drei von ihnen kamen aus der Leipziger Hochschule für Musik und Theater: Anna Hermann (Violoncello), Lee Yeeun (Sopran) und Kristin Einarsdottir Mäntylä (Mezzosopran) nahmen mit berechtigtem Stolz ihre Auszeichnung mitsamt großem Blumenbukett entgegen. Der gebürtige Leipziger Friedrich Praetorius als vierter Ehrengast ging dagegen aus der Weimarer Musikhochschule hervor. Der vielfach begabte junge Musiker ließ gleich auf drei Gebieten - als Dirigent, Sänger und Pianist (!) – die Jury aufhorchen.

Krakow betonte, dass in diesem Jahr insgesamt neun Stipendiaten vom Leipziger Wagner-Verband ausgezeichnet wurden und dazu durchweg private Geldgeber gewonnen werden konnten. Generell geht diese schöne, auch bei anderen Wagner-Verbänden übliche Tradition auf Wagners Geburtsstadt Leipzig zurück: 1909 formierten sich hier die ersten Wagnerfreunde vor allem aus Mitteldeutschland aber auch aus Nürnberg und Kassel zur Unterstützung junger Sänger und Musiker.

Ein besonderer Glücksumstand war außerdem das schöne Wetter: Die auf dem Balkon verbrachte Pause mit Blick auf Leipzig bei einem Glas Sekt rundete den gelungenen Auftakt der Wagner-Festtage ab.

Birgit Heise

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