„Sachsen und Schlesien sind Partnerregionen“

Leipzigs Verbandsvorsitzender bei Parsifal-Premiere in Breslau

Sachsen, Schlesien und Böhmen sind über Jahrhunderte wirtschaftlich und kulturhistorisch zusammen gewachsen. Politisch spiegelte sich hier besonders stark aber auch die Tragödie des übersteigerten Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts wider, der manche starke Bindung zerriss. Doch die alten Linien finden wieder zusammen und sei es nur über die hervorragend ausgebaute Europastraße 55, die eine Autofahrt von Leipzig nach Breslau in 3,5 Stunden ermöglicht.

Grund genug für Leipzigs Verbandsvorsitzenden Thomas Krakow, die Premiere des Parsifal am 16. April 2011 vor Ort zu besuchen und sich von einem bis ins Detail sanierten historistischen Opernhaus gefangen nehmen zu lassen, in dem Komponist Richard Wagner neben anderen als gemaltes Medaillon an der Decke weise über die Besucherscharen blickt.
Die letzte Parsifalpremiere in diesem Haus hatte am 1. Januar 1914, nachmittags fünf Uhr stattgefunden, wie Intendantin Ewa Michnik dem Leipziger Besucher in der Pause lächelnd erklärt.

Was den Besucher für 5,5 Stunden erwartet ist eine mit modernen Stilmitteln durchsetzte klassische Operniszenierung, wie sie der Meister nicht besser hätte anweisen können. Die Oper Breslau hat keine Experimente zugelassen und ein stringent durchinszeniertes Werk auf die Bühne gebracht. Hierbei geht es vor allem um die Überzeugung des polnischen Publikums, sich mit dem Spätwerk des wohl deuschesten aller Komponisten auseinanderzusetzen. Bewusst setzt die mutige Intendantin, wie auch schon bei der von ihr verantworteten Ring-Inszenierung vor fünf Jahren in der Jahrhunderthalle, auch auf die Westausrichtung der heute polnischen Hauptstadt Schlesiens, spricht gezielt auch die Nachbarn an und subsummiert in die Erinnerungspflege wie selbstverständlich die deutsche Geschichte und Tradition dieser Stadt. Dazu ist unverkennbar, wie die Breslauer Oper schrittweise zum Ort der polnischen Wagnerpflege, die keine Grenzen kennt, entwickelt wird.
Natürliche ist diese Inszenierung auch eine Referenz an die Teilnehmer des Interntionalen Richard-Wagner-Kongresses, der vom 02. bis 05. Juni 2011 in Breslau stattfindet. Sie werden hier mit keinem Schocktheater überrascht werden, bei dem die Selbstinszenierung eines Regisseurs das Primat vor dem Komponisten hat. Die Regie von Georg Rootering stellt dies eindringlich unter Beweis. Walter E. Gugerbauer und Tomasz Szreder am Dirigentenpult verstehen es so ideenreich wie sensibel, Orchester, Solisten und Ensemble zu Höchstleistungen zusammen zu führen. Ein Gesamtkunstwerk eben.
Die Delegierten des Kongresses können hoffnungsfroh gespannt sein. Der Breslauer Intendantin ist es wieder einmal gelungen, ihrem Haus und ihrer Stadt alle Ehre einzulegen. Herzlichen Glückwunsch, Frau Ewa Michnik!