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Die Wagners und Liszt – eine Via crucis oder Grand Galop?
Keiner kann besser über das Verhältnis der Familie Wagner zu ihrem Vorfahren Franz Liszt Auskunft geben, als die Ururenkelin Franz Liszts und Urenkelin Richard Wagners. Aus eigener Erfahrung weiß Nike Wagner in ihrem Vortrag „Die Wagners und Liszt – eine Via crucis oder Grand Galop?“ am späten Nachmittag des 22. Mai 2026 im Festsaal des Alten Rathauses zu berichten, dass in Wahnfried, wo ihr Vater Wieland Wagner von 1949 bis zu seinem Tode 1966 mit seiner Familie wohnte, Liszts Name systematisch verschwiegen wurde und Siegfried Wagners Halbschwester Daniela (Vater: Hans von Bülow, Cosimas erster Ehemann) sowie Halbschwester Blandines Sohn Gilbert bei Besuchen in Bayreuth ganz abschätzig behandelt wurden. Mit Akribie und Einfühlungsvermögen schildert Nike Wagner die über 40-jährige, wechselvolle Freundschaft zwischen Liszt und Wagner von den Anfängen 1840 in Paris bis zu Wagners Tod in Venedig 1813. Sie umreißt das so unterschiedliche Milieu, aus dem beide stammten: Liszt aus kleinen Verhältnissen zum umjubelten Kosmopoliten gereift, Wagner aus vielköpfiger Theaterfamilie zum rücksichtslos um sein Werk kämpfenden Nationalkomponisten aufgestiegen. Dabei wird deutlich, dass es immer wieder Wagners Kompositionen waren, die Liszt überzeugt und zu seiner weiteren Unterstützung bewegt haben. Verständnis für seinen Schwiegervater hat Wagner dagegen nie aufgebracht.
Helmut Loos
Fotografien: Michael Ranft










