Der Meisterkurs Gesang

An einem der ersten frühsommerlich warmen Abende des Jahres trafen sich in der Aula der Alten Nikolaischule Freunde der Musik Richard Wagners und des schönen, ausdrucksstarken Gesangs. Zum zweiten Mal während einer Wagner-Festwoche veranstaltete die Kulturstiftung Leipzig vom 21. bis 25. Mai 2026 einen Meisterkurs für Gesang. Diesmal fand er unter Leitung der weltweit gefragten Sopranistin Kammersängerin Linda Watson statt, die in den 1990er Jahren selbst Ensemblemitglied der Oper Leipzig war. An der Wiener Staatsoper hat sie den „Ring des Nibelungen“ gesungen und ebenso an vielen Opernhäusern der Welt. Als Begleiter und Ratgeber am Klavier stand der in der Arbeit mit Sängern erfahrene Solorepetitor und Kapellmeister Karl-Heinz Müller zur Verfügung. Teilnehmerinnen des diesjährigen Kurses waren sechs Sängerinnen aus fünf verschiedenen Nationen, die bereits alle durch Engagements an Theatern und bei Musikfestivals professionelle Erfahrungen vorweisen konnten. Im Zentrum standen die Werke Richard Wagners sowie deutsche Lieder der Romantik, die am vorletzten Abend im Schumann-Haus zu hören waren.

Den krönenden Abschluss bildete der Opernabend am 25. Mai 2026 in der Richard-Wagner-Aula der Alten Nikolaischule, zu dem die Gäste ein anspruchsvolles Programm erwartete. Die Australierin Bronwyn Douglass eröffnete das Konzert glanzvoll mit der Hallenarie der Elisabeth aus dem „Tannhäuser“ und schloss den ersten Teil des Abends mit dem Monolog der Ariadne „Es gibt ein Reich“ von Richard Strauss ab. Auch die US-Amerikanerin Taylor Haines sang Strauss, die Arie der Chrysothemis aus „Elektra“. Neben Sieglindes „Du bist der Lenz“ aus der „Walküre“ und Evas „O Sachs, mein Freund“ waren auch die Ballade der Senta aus dem „Fliegenden Holländer“ (Rebecca Blanz, Deutschland), Elsas Arie „Einsam in trüben Tagen“ (Henrike Henken, Dänemark) und Isoldes Fluch (Hannah Medlam, Österreich) zu hören sowie eine Arie aus Smetanas „Dalibor“ (Xenia Strunz, Österreich). Am Schluss sorgte Bronwyn Douglass mit dem Lied der Sylva aus Kálmáns „Csárdásfürstin“ für einen stimmungsvollen Abschluss, der die Besucher in die laue Frühlingsnacht entließ.

Marita Müller

Fotografien: Marita Müller, Falk Elstermann