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Vom Alten Johannisfriedhof zum Richard-Wagner-Hain
So auf den ersten Blick hätte ein Nicht-Eingeweihter denken können: „Ist da jemand gestorben?“ Nein, aber der Richard-Wagner-Verband Leipzig hatte die großartige Idee, Besucher des Wave-Gotik-Treffens am Pfingstsonntag zur Führung auf den Alten Johannisfriedhof auf den Spuren von Richard Wagners Familie einzuladen. Und so kamen einige wunderschön in Schwarz gekleidete Gotik-Anhänger und mischten sich unter die bunter gekleideten Verbandsmitglieder oder umgekehrt, denn die ersteren dominierten das Bild. Und mittendrin umrahmt von edlem Schwarz die Referentin Ursula Oehme in langem weißem Spitzenkleid, dazu ihr langes blondes Lockenhaar – der Kontrast hätte nicht größer sein können.
Die WGT-Pfingst-Bewegung in Leipzig ist ja ein friedlicher Anlass, und so hörten beide „Gruppen“ friedvoll miteinander, ruhig und auch sichtlich fasziniert den eloquenten Ausführungen von Ursula Oehme zu. Ich glaube, sehr gepackt hat uns alle die Geschichte, wie die Position des Grabes von Richard Wagners Vater herausgefunden und dort ein Gedenkstein errichtet wurde. Dass Frau Oehme selbst Initiantin dessen war, darauf darf sie wirklich stolz sein. Und das war auch gerade das Spezielle an der Führung: Frau Oehme lebte, was sie erzählte. Das Schicksal der Mutter und der Schwester Rosalie an deren Grabstein berührte ebenfalls alle. Da herrschte eine große, fast andächtige Stille. Mit Blick auf den Grabstein, auf dem Rosalie von zwei Engeln gen Himmel getragen wird, endete die spannende Stunde mit Ursula Oehme wie im „Engelsflügelschlag“.
Alle folgten dann auch der Einladung, mit der regulären 7 zum Richard-Wagner-Hain zu fahren. Helmut Loos durfte schon in der Straßenbahn über das Mikrofon informieren. Gegenüber vom Hain staunten dann viele, als sie hörten, was für große Pläne da mal angedacht, aber nie ausgeführt wurden. Noch mehr erstaunte die Historie, welchen hohen Stellenwert Komponisten früher genossen hatten. Und wieder war – besonders bei den Besuchern des Wave-Gotik-Treffens – ein großes Interesse und andächtiges Staunen zu spüren. Auch bei diesem Referenten: Da wird spannendes Wissen von einem klugen Kopf mit Leib und Seele so vorgetragen, dass es die Zuhörerschaft in den Bann zieht.
Wagner und Wave-Gotik-Treffen? Geht das? Gut sogar! Ich sag es doch immer: Wagner verbindet!
Esther Widmer
Fotografien: Iris Hauer, Klaus-Michael Weinmann, Esther Widmer












