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Die „Gesichter“ des Richard Wagner
Richard Wagner, nach fast 13 Jahren auch in Sachsen amnestiert, bereitet sich in der Wohnung seines Schwagers Hermann Brockhaus am Vorabend des denkwürdigen Gewandhauskonzerts mit Wendelin Weißheimer am 1. November 1862 auf die Uraufführung des Vorspiels zu seiner einzigen Komischen Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ und die Ouvertüre zu „Tannhäuser“ vor. So der historische Hintergrund der „theatralischen Intervention“ „Die Gesichter des Richard Wagner“ des Leipziger Improtheaters Adolf Südknecht, mit der am 21. Mai 2026 im Festsaal des Neuen Rathauses die diesjährige Wagner-Festwoche eröffnet wurde. Hans von Bülow (Armin Zarbock) und seine mit ihrem zweiten Kind Blandine schwangere Noch-Ehefrau Cosima (Susanne Bolf), glühende Verehrer Richard Wagners, versuchen vergebens, den Komponisten vor unliebsamen Besuchern abzuschirmen, zu denen auch der extra aus Rotterdam angereiste jüdische Dirigent Hermann Levi (August Geyler) gehört, der 1882 die Uraufführung des „Parsifal“ am Festspielhaus in Bayreuth leiten wird. Die überwiegend aus von den Besuchern zu Papier gebrachten Wagner-Zitaten gespeisten Gesprächsvorlagen der drei Darsteller münden in der Frage, ob Wagner, Autor der unsäglichen Schrift „Das Judenthum in der Musik“ eher Antisemit denn Genie gewesen sei. Auch entscheidet sich die Mehrheit für Johann Sebastian Bach, als nach dem Lieblingskomponisten des Publikums gefragt wird. Am Ende des Stücks erscheint der übellaunige Komponist (David Timm), bisher nur durch sein Klavierspiel hinter dem Vorhang präsent, höchstselbst, um die Störenfriede anzuherrschen: „Kann man hier nicht einmal in Ruhe komponieren?!“
Ursula Oehme
Fotografien: Dr. Klaus Billand, Falk Elstermann







